Neuzofiger


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Geschichte

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Am Anfang war...
In den Jahren 1970/71 wurde am Kanalweg in Zofingen die Swissair-Wohnüberbauung erstellt. Schlussendlich entstand dort, direkt an der Wigger, ein Quartier mit ca. 100 Wohnungen. Diese markante Überbauung erhielt auch gleich den Beinamen «Neu-Zofingen». Viele junge Familien, zum Teil aus verschiedensten Regionen zugezogen, fanden hier ihr erstes Zuhause. Unter Gleichgesinnten entwickelte sich bald eine gute, schöne Nachbarschaft.
Bald füllte sich der Spielplatz zwischen den Häusern mit vielstimmigem Kinderlärm, und die Kleinen scharten sich um den viel zu kleinen Sandkasten. Mit viel Elan wurde in Zusammenarbeit mit der Eigentümerin (Swissair Pensionskasse) ein grosszügiger Spielplatz geplant. Die Eigentümerin finanzierte die Spielgeräte, während wir jungen Eltern unsere Arbeitskraft zur Verfügung stellten. Unter kundiger Bauleitung durch Ruedi Aeschlimann entstand für unsere Kinder ein herrliches Spielparadies mit Go-Cart-Bahn, Kletterbäumen, Rutschbahnen usw.
An einer grossen, gleichzeitig erbauten Grillstelle – es konnten sich gut 10 bis 15 Familien verpflegen – erlebten wir viele gemütliche Sommerabende. Schlussendlich wurde auf dem Areal, nördlich der Überbauung, in Fronarbeit ein Fussballplatz hergerichtet. Mit Spielplatz für die Kinder sowie Grill- und Fussballplatz für die Erwachsenen waren alle sehr zufrieden und glücklich.
Die logische Folge war die Gründung des Quartiervereins Neuzofingen, dessen erste Präsidentin Evi Aeschlimann wurde. Bei einem fröhlichen Zusammensein entstand die Idee, eine Wagenclique zu gründen und am Zofinger Fasnachtsumzug teilzunehmen. Hauptinitianten waren Evi und Ruedi Aeschlimann, Rolf Günther, Doris Zimmerlin und Gady und Jürg Heimgartner. Unsere Idee fand bald breite Unterstützung und aus den Mitgliedern des Quartiervereins Neuzofingen rekrutierten sich schnell ca. 20 Gleichgesinnte.An die Gründung einer Zunft wurde zu jenem Zeitpunkt nicht gedacht, doch gleichwohl sollte der fröhliche «Haufen» einen Namen erhalten. Bald einigte man sich auf den Namen «D’Neuzofiger», war doch die Wagenclique aus Mitgliedern des Quartiervereins NEUZOFIGE entstanden. Mit unserem ersten Sujet «Die Verbildete» – in Anspielung an das damals neu gebaute Bildungszentrum – ernteten wir an der Fasnacht 1976 viel Applaus und Sympathien. 1977 war unser Wagen noch grösser und aufwendiger dekoriert. Das Sujet «Eus stinkt’s» sollte den Baubeginn der Autobahn mit all seinen Nachteilen für uns Anwohner aufs Korn nehmen.
Am Umzug waren die NEUZOFIGER eine feste Institution geworden, welche das Fasnachtstreiben in Zofingen eindrücklich belebten. Gleich nach dem Umzug sind einige Guggenmusiker um Beat Sturzenegger an uns herangetreten mit der Frage, ob es eine Möglichkeit gebe, sich unserer Wagenclique mit einer Guggenmusik anzuschliessen. So kam es noch im Jahre 1977 zur Gründungsversammlung. Als Gründungsmitglieder amteten Evi und Ruedi Aeschlimann, Rolf Günther, Hanspeter Iseli, Beat Sturzenegger, Doris Zimmerlin und Jürg Heimgartner. Mit dieser «Fusion» wurden die NEUZOFIGER, neben den damals bereits bestehenden Fasnachts- und Langnasezunft, im Zofinger Fasnachtstreiben eine unübersehbare Bereicherung. So waren unsere damaligen Vorstandsmitglieder auch wesentlich an der Gründung des Fasnachts-Comitées «FACO» beteiligt.
Jürg Heimgartner, Gründungs- und Ehrenmitglied

Stationen der ersten 22 Jahre...
Kaum zu glauben, aber bereits sind 22 Jahre vergangen, seit jenem ominösen Dienstagabend, an welchem ich mich mit gemischten Gefühlen und weichen Knien an den Fasnachtsausschuss des QUARTIERVEREINS WEST (Neuzofingen) wandte, mit der heiklen Frage, ob sie meine wohl etwas ausgefallene Idee unterstützen würden, eine Guggenmusik auf die Beine zu stellen. Umsomehr war ich erstaunt, dass man dies nicht nur begrüsste, sondern von dieser Idee sogar begeistert war.Dies war der Startschuss für die NEUZOFÄÄGER (später Neuzofiger Zunft), welche schon im ersten Jahr ihrem Namen alle Ehre machten und die Musikstücke eben rasch «runterfäägten», um dem Zuhörer weniger Zeit zu lassen, Fehler zu entdecken. Auf die Frage, ob wir eigentlich absichtlich falsch spielen würden, antwortete ich jeweils: «Wir trinken vor jedem Auftritt ein Gläschen Weisswein, womit sich der gewünschte Erfolg jeweils von selbst einstellt!»
So schön der Name NEUZOFÄÄGER auch klingt, für viele Nicht-Zofiger war es nicht immer einfach, unseren Namen zu verstehen und richtig in die Presse zu bringen. So wurden wir unter anderem in Verbier 1978 mit «ZNENZOFAAGER», in Bellinzona 1984 mit «NEUFOZÄÄGER» angekündigt. Vielleicht hätten wir uns doch für die andere damals zur Wahl stehende Variante «SE MASERKAIKS» entscheiden sollen. Aber was soll's!?Obwohl natürlich sämtliche Mitglieder immer das Letzte von sich gegeben haben und während der letzten 20 Jahre Tag und Nacht für die Zunft eingestanden sind, so ist es mir an dieser Stelle doch ein Bedürfnis, einige Koryphäen namentlich zu erwähnen.
War es am Anfang vor allem «Gefi», welcher wesentlich zum Aufbau der Gugge beigetragen hat, und unter anderem auch Hauptinitiator des weltweit berühmten Neuzofiger Fasnachtsballs war, so gilt der Dank im weiteren Verlauf unserem «Gemmel», welcher jahrelang für die Geschicke des Rhythmus verantwortlich zeichnete und heute verdientermassen den Taktstock schwingt. Gerne erinnere ich mich an die unzähligen Stunden zuhause am Klavier, wo wir, ausgerüstet mit Schallplatten, Kassetten, Notenblätter, Bleistift und Gummi, versuchten, unsere Stücke zu arrangieren und uns immer wieder die Frage stellten, «ob die Jungs das wohl spielen können?».Jedesmal jedoch wurden anlässlich der Proben unsere kühnsten Erwartungen übertroffen und wir mussten feststellen, dass mit Motivation und Einsatz eben fast alles spielbar war. Wenn wir dann sogar noch auf einer Bühne standen und sich jeder im Fasnachtsrausch abermals steigerte, dann lief es einem eiskalt über den Rücken und das Gefühl und die Stimmung, welche wir dann jeweils erleben durften, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Mit den «NEUZOFÄÄGER» aufzutreten, ist eben etwas Besonderes.
Sämtliche Bälle, Bühnen, Plätze und Konzerthallen aufzuführen, an welchen die Fans in Tränen ausbrachen, würde den Rahmen dieser Broschüre wohl sprengen. Auch die Beifallsstürme, welche wir bei einem «Dire Straits» im Altersheim oder einem «Ganz in Weiss» anlässlich einer Technoparty entgegennehmen durften, können nicht wiedergegeben werden. Man muss es eben erlebt haben. Dasselbe gilt auch für unsere Auftritte anlässlich der Guggenfestivale im Tivoli, welche wir in den Jahren 1983, 1984 und 1985 besuchten. Zwar reichte es bei diesen inoffiziellen Wettbewerben nie ganz aufs Treppchen, aber dies konnte unsere Stimmung nie beeinträchtigen. Dieses Phänomen ist nämlich seit Jahrhunderten bekannt, denn schon bei den Künstlern und Komponisten der Klassik wurde deren wahrer künstlerischer Wert meist erst von späteren Generationen richtig verstanden.
Umsomehr erfreut deshalb die Tatsache, dass unsere Musikkassetten, welche wir anlässlich unseres 5-, 7-, 10- und 15-jährigen Bestehens produzierten, wie warme «Weggli» verkauft wurden und die CD, welche wir 1994 mit einer Auflage von knapp 10 Mio. Einheiten in Auftrag gaben und seither aus sämtlichen Musikboxen der Altstadt Zofingen ertönen, scheint nach jüngsten Informationen auch schon bald vergriffen zu sein. Wer also seinen Enkeln und Urenkeln eine Freude machen und weitergeben will, was wahre «FASNACHTSKUNST» des 20. Jahrhunderts war, der ist offensichtlich gut beraten, sich so rasch wie möglich mit unserem Säckelmeister in Verbindung zu setzen. Denn, es hat eben nur so lange, wie es noch hat!Auch wenn jeweils am einen oder anderen Anlass nicht immer der hinterste und letzte (Steh-)Platz ausgebucht war, so bildete doch jedes Jahr die Zofinger Fasnacht den krönenden Abschluss der Saison. Hier wiederum wäre es falsch, nicht auch die WAGENCLIQUE unserer Zunft zu erwähnen, welche über mehrere Jahre immer wieder mit sensationell dekorierten Tiefladern, von Traktoren und andern getarnten Fahrzeugen gezogen, wesentlich zum Gelingen und zur Förderung der Fasnacht beigetragen hat. Lag das Geschick des Wagenbaus am Anfang vorwiegend in den Händen von Ruedi Aeschlimann, so sind es später vor allem Max Gloor, Marco Schadegg uns Karl-Heinz Wilsch gewesen, denen es immer wieder gelang, obenauf zu schwingen.
Was für den Amerikaner der «Bic Mac», für den Chinesen der «Duck Rice», ist für den Neuzofiger die «Bohne» (Punktsystem zum Erhalt der Ehrenmitgliedschaft). Obwohl ausser dem Computer eigentlich fast niemand so richtig weiss, wie man zu einem «Bööhnli» kommt, und schon gar nicht, wie man sie addiert, so ist es doch immer wieder eine Freude zu sehen, wie sich die einzelnen Mitglieder am «GROSSEN BOTT» (GV) jeweils gespannt auf die «Böhnliliste» stürzen, um herauszufinden, wie lange sie noch mitmachen dürfen, um «ALTZOFÄÄGER» zu werden. Übrigens, es ist kaum zu glauben, aber gemäss minuziös geführter Liste haben in den ersten 22 Jahren des Bestehens nicht weniger als 211 Leute eine oder mehrere Saisons mitgewirkt, was einer durchschnittlichen Mitgliedschaft von genau 4,9478672 Jahren entspricht. Gemäss Angaben des jetzigen Zunftmeisters Thomas Blum soll dieser Wert stündlich steigen.
Damit hoffe ich, sämtliche Erdbewohner restlos überzeugt zu haben, dass Fasnacht eine tolle Sache ist. Ich möchte als Gründer und Alt-Musikchef allen Ehemaligen für den grossen Einsatz zugunsten der NEUZOFIGER ZUNFT herzlich danken und Euch aufmuntern, die alten Klamotten wieder aus dem Schrank zu nehmen. Allen aktiven Fäägern, Zünftern und Fans wünsche ich aus der Ferne viele tolle Fasnachstage!
Beat Sturzenegger, Gründungs- und Ehrenmitglied


¦ ¦ aktualisiert am 15 Nov 2010

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